Interview mit dem Bildungsexperten Torsten Caspar. Seine These: Lernen 4.0. Es wird immer entscheidender Wissen intelligent zu nutzen und zu organisieren

Lernen 4.0 Aktuell geht man davon aus, dass sich das Wissen der Menschheit inzwischen in etwa alle fünf bis zwölf Jahre verdoppelt. Auch die Datenmengen explodieren in rasanter Geschwindigkeit. Weltweit werden täglich 2,5 Trillionen Bytes an Daten erzeugt. Man darf davon ausgehen, dass sich diese Entwicklung mit der weiteren Verbesserung der technischen Kapazitäten zur Speicherung, Verarbeitung und Übertragung von Daten noch weiter beschleunigen wird.

Das beeinflusst die Themen Bildung, Lernen und Lehren massiv. – In einer Welt der ständigen Ablenkungen ist die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne stark gesunken. Es geht für jeden Einzelnen zunehmend darum, die Informationsflut zu bewältigen, Wichtiges zu filtern und Informationen zu priorisieren.

Daher wird es immer entscheidender, Wissen intelligent zu nutzen und zu organisieren. Effizientes Lernen bedarf allerdings Disziplin, Ausdauer und Selbstorganisation. Ein wichtiger Faktor ist also die persönliche Veränderungsbereitschaft. Der Mensch im Zeitalter der Informationsgesellschaft muss lernen, ein Leben lang zu lernen.

Lebenslanges Lernen, so die allgemeingültige Definition, ist der kontinuierliche aus eigenem Antrieb erfolgende Erwerb von Wissen aus persönlichen oder beruflichen Gründen. Ziel des Lernens ist die permanente Verbesserung von Kenntnissen, Fähigkeiten und Kompetenzen.

Digitale Tools, Formate und Methoden wie E-, Blended und adaptive Learning, Online-Tutorials, Lern-Apps fürs Smartphone oder MOOCs kommen vermehrt zum Einsatz. Die modernen Technologien ermöglichen dabei die Individualisierung des Lernens – Wissensaneignung ist künftig keine Frage des Geldes, sondern des persönlichen Engagements.

Links:
The Skills Revolution – DIGITIZATION AND WHY SKILLS AND TALENT MATTER
https://www.manpowergroup.de/fileadmin/manpowergroup.de/Download/MG_Skills_Revolution.pdf#_ga=1.16174965.2100585311.1464865510 
D21-DIGITAL-INDEX 2018 / 2019
https://initiatived21.de/publikationen/d21-digital-index-2018-2019/ 
MIndZip
https://mindzip.net/

Interview mit Filmproduzent Phillip Schall. Seine These: Die Digitalisierung ermöglicht die Teilbarkeit im digitalen Raum, also eine Storys muss heute die jeweiligen Medienkanäle bespielen können. Das braucht interdisziplinäre Teams.

Totgesagte leben länger. Der aktuelle Media Innovation Report von nextMedia.Hamburg und Statista hat festgestellt, dass lineares Fernsehen weiterhin von 80 Prozent der Deutschen konsumiert wird und das beliebteste Bewegtbildformat ist. Ältere Zielgruppen bescheinigen dem Klassischen TV sogar eine Lebensdauer über die nächsten 10 Jahre hinaus.
Dennoch, die Digitalisierung wirbelt den Bewegtbild-Markt durcheinander. Streaming-Dienste und Video-on-Demand boomen, interaktive Formate und transmediales Storytelling arbeiten sich aus dem Experimentierstadium hinaus. KI, VR oder 5G sind die Trends, die Produktionsmöglichkeiten und Nutzerverhalten ändern werden. Allerdings: „Der Charme ins Kino zu gehen, TV zu schauen und/oder Bücher zu lesen, wird hierbei nicht verdrängt, sondern vielmehr durch das Internet, die sozialen Medien und die Gaming-Culture erweitert“, stellt eine lesenswerte Diplomarbeit der Uni Wien fest.
Der Konsument profitiert in jedem Falle, wie eine Befragung von Best Research bilanziert: „Die Konkurrenz für das lineare TV nimmt entsprechend an Vehemenz weiter zu“, stellen die Studienautoren fest. „Dabei werden die Bemühungen und Investitionen aller Anbieter in Richtung Content-Quantität und -Qualität aufgrund des Wettbewerbs untereinander stetig größer.“
Am Ende bleibt wie immer die eigentlich simple, aber zentrale Frage, wie Inhalte, Plattformen und Publikum zusammengebracht werden können.

Links:
nextMedia.Hamburg – Media Innovation Report
https://www.nextmedia-hamburg.de/studie-zum-bewegtbild-konsum-der-zukunft/

Studie Digital Radar, Best Research „Lineares TV nur noch Lückenfüller bei der Jugend“
http://www.best-research.de/digitalradar/

Diplomarbeit „Involve Me – Transmedia Storytelling als partizipative Erzählform in einer mediatisierten Gesellschaft“, Universität Wien

Interview mit Verlagsexperte Colin Lovrinovic. Seine These: KI wird die Verlagsarbeit nachhaltig und positiv beeinflussen

KI in der Buchbranche; Kann KI Kreativität? – In den letzten Jahren hat sich die Buchbranche grundlegend geändert. Die Digitalisierung hat Fahrt aufgenommen. Selfpublishing, E-Books, Webshops oder Online-Kampagnen gehören zum Alltag. Big Data-Anwendungen machen Marketing und Vertrieb der Verlage effizienter, indem sie Leserinteressen und Kundenverhalten analysieren.

Jetzt erscheint eine neue Herausforderung am Horizont. Künstliche Intelligenz zieht in die Verlagsräume ein. Mit großen Versprechen. So glaubt z.B. das Startup Qualifiction, via Algorithmen das Bestseller-Potential in Manuskripten ermitteln zu können.

Umsetzbarer erscheint Branchenexperten zunächst der Einsatz von KI-Lösungen bei der Optimierung von Logistik- und Auslieferungskapazitäten, bei der automatischen Generierung von Verkaufstexten und Produktbeschreibungen oder bei der Auswertung von betriebswirtschaftlichen Daten.

Auf alle Fälle sei aber eine Unterstützung der Lektoratsarbeit denkbar. Schließlich bekommen die Verlage täglich ganze Berge von Manuskripten zugeschickt. Hier könnte KI via intelligenter Texterkennung bei der Bewertung von Manuskripten nach Relevanz des Themas, Schreibstil und Lesbarkeit helfen.

Nur eines scheint sicher. Vor KI-geschriebenen Romanen muss sich niemand fürchten, dafür fehlt es den aktuellen Anwendungen an Intelligenz und der menschen-typischen Inspiration. Glauben die Experten.

Links
German Entertainment & Media Outlook 2018-2022 – Wie künstliche Intelligenz die Medienbranche revolutioniert, PwC: https://www.pwc.de/de/technologie-medien-und-telekommunikation/german-entertainment-and-media-outlook-2018-2022/wie-kuenstliche-intelligenz-die-medienbranche-revolutioniert.html

Interview mit Autor und KI-Experte Holger Volland. Seine These: „Die kreative Macht der Maschinen ist NOCH begrenzt“

KI – Fluch oder Segen? – Sie spaltet Gemüter und Experten. Visionäre wie Elon Musk oder Stephen Hawking haben schon eindringlich vor den potentiellen Gefahren von Künstlicher Intelligenz (KI) gewarnt. „KI könnte das schlimmste Ereignis in der Geschichte unserer Zivilisation sein“, erklärte der britische Astrophysiker vor gut eineinhalb Jahren. Ray Kurzweil prognostiziert dagegen eine produktive Koexistenz von Mensch und Maschine. Mehr noch, schon Ende dieses Jahrhunderts wird sie den Menschen als Krone der Schöpfung ablösen, ist Googles Tech-Chef überzeugt. Fakt ist, kaum eine Technologie wird unsere Welt in den kommenden Jahren auf vergleichbare Weise verändern. KI-Anwendungen sind längst in Alltag und Arbeitswelt angekommen, von Chatbots über intelligente Assistenten, Machine Learning bis hin zum autonomen Fahren. Und im schlimmsten Fall bei den so genannten Killerobotern, als autonomen Waffensystemen.
Die Marktprognosen überschlagen sich. PwC z.B. sieht in einer Studie von 2018 das weltweite Potenzial für KI-Anwendungen bei 15,7 Billionen US-Dollar. US-Marktforschungsinstitute wie Forrester oder Gartner beziffern das Marktwachstum auf 50 bis 60 Prozent innerhalb der nächsten drei bis acht Jahre.
Fakt ist auch, KI wirft gravierende ethische, regulatorische und gesellschaftliche Fragen auf. Eine Schlüsselfrage, die es abseits faszinierender Technologie zu klären gilt, ist: Wo bleibt der Mensch?

Interessante Links
Das KI-Portal für Einsteiger
https://kinsights.de/ 
Themenportal KI des BDI
https://bdi.eu/themenfelder/digitalisierung/kuenstliche-intelligenz/
KI Bundesverband
https://ki-verband.de/
Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz
https://dfki.de/web/
Holger Volland
http://holgervolland.com/

Interview mit Marlies Hebler von Bookwire. Ihre These: Der E-Book-Markt boomt: Subscriptions- und Download-to-own-Modelle, aber auch neue Entwicklungen wie Affiliate- und Gamificationkonzepte werden den Markt weiter pushen

E-Book: Evolution statt Disruption: – Wie lesen wir in Zukunft? Welche Trends gibt es im E-Publishing, welche neuen Geschäftsmodelle sichern das Überleben im digitalen Zeitalter? Und, die Schlüsselfrage: Was will der Kunde? Eine Antwort darauf ist das E-Book. Fest verankert im Markt, doch nicht mit derart disruptiver Wirkung, wie noch vor wenigen Jahren vorausgesagt. Stattdessen wachsen Umsätze und Käuferzahl kontinuierlich.
Immerhin, um fast 50 Prozent ist die Zahl der eBook-Käufer in Deutschland innerhalb der letzten drei Jahre gestiegen, ermittelte das Statistische Bundesamt. Sie erhöhte sich von Januar bis September 2018 um 1,6 Prozent auf 3,1 Millionen, meldete der Börsenverein des deutschen Buchhandels. Der Branchenverband sieht den digitalen Lesestoff nach zwischenzeitlicher Stagnation wieder im Kommen. Er schätzt den aktuellen Jahresumsatz auf gute 200 Millionen Euro. Eine PwC-Prognose sagt optimistisch voraus, dass der E-Book-Sektor bis 2022 im Mittel um 12,8 Prozent pro Jahr wachsen wird.
Mittlerweile liest jeder vierte Bundesbürger (25 Prozent) hin und wieder E-Books, hat der Digitalverband BITKOM herausgefunden. Seine Einschätzung: „E-Books gehören zu den wenigen digitalen Technologien, die nicht innerhalb weniger Jahre disruptiv in einen etablierten Markt einwirken. Wir erleben hier eine seltene Art friedlicher Koexistenz zwischen tradiertem und digitalem Medium.“

Für Branchenkenner steht außerdem fest: Trends wie Blockchain oder Künstliche Intelligenz machen neue Geschäftsmodelle möglich und werden das E-Publishing weiter pushen. Auf der Agenda stehen z.B. Subscriptions- und Download-to-own-Modelle, aber auch neue Entwicklungen wie Affiliate- und Gamificationkonzepte.

Interessante Links
E-Publishing
https://medienwiki.org/index.php/E-Publishing
Statistisches Bundesamt zum Thema E-Books
https://destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2018/12/PD18_482_631.html
BITKOM-Studie: E-Books: Friedliche Koexistenz statt Disruption im Buchmarkt
https://bitkom.org/Presse/Presseinformation/Friedliche-Koexistenz-statt-Disruption-im-Buchmarkt.html
Studie des Börsenvereins des deutschen Buchhandels zum deutschen Buchmarkt
https://boersenblatt.net/artikel-studie_des_boersenvereins.1422566.html

Interview mit Filmregisseur Marcus Sternberg. Seine These: Buchmarketing 2.0 muss endlich auf die bewegte Werbung mit stimmigen Geschichten rund um Bücher und Autoren setzen

Katalog war gestern: Buchtrailer gegen Leserschwund. – Von 2012 bis 2016 gingen dem Buchhandel laut GfK 6,1 Millionen Buchkäufer verloren. Ein Grund für den Schwund: die Internetnutzung hat zugenommen, vor allem in den jüngeren Zielgruppen. Laut ARD/ZDF-Online-Studie waren 2018 erstmals über 90 Prozent der Deutschen online. Mehr noch: drei Viertel der Bevölkerung sehen zumindest gelegentlich bewegte Bilder im Netz, 60 Prozent der Bevölkerung nutzen mindestens wöchentlich und 33 Prozent täglich Onlinevideos.
Durchschnittlich verbringen deutsche Online-User 13 Stunden damit Online-Videos zu schauen, hat wiederum die GfK herausgefunden. Die Bevölkerungsgruppe über 14 Jahren präferiert dabei vor allem YouTube. Die Videoplattform erreicht hier eine Nettoreichweite von 91 Prozent.
Beste Rahmenbedingungen für die Renaissance eines Werbemittels, das eigentlich schon seit fast 15 Jahren auf dem Markt ist – den Buchtrailer. Buchmarketing 2.0 setzt nun wieder verstärkt auf die bewegte Werbung mit stimmigen Geschichten rund um Bücher und Autoren. Sie soll Appetit machen auf neue Werke, den künftigen Leser visuell und emotional ansprechen, die Sichtbarkeit in den Suchmaschinen erhöhen und so im besten Falle die Verkäufe ankurbeln.
Als Marketinginstrument vieler Verlage und AutorInnen sind Buchtrailer mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Die Leseprobe 4.0 heißt Bewegtbild.
Interessante Links:
ARD/ZDF-Onlinestudie 2018
http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/
Play Video Advertising Report 2018
https://www.adzine.de/whitepaper/adzine-video-advertising-report-2018/